Die Geschichte

Hier lesen Sie alles über die einzigartige Geschichte der Terpen- und Wierdenregion. Jetzt ist es noch eine Geschichte in Entwicklung. Die sich jedoch in Zukunft immer mehr erweitern wird. Dank den Forschungen der Wissenschaftler, Bewohner und örtlichen (historische) Vereinigungen wird stets mit neuen Elementen vollendet. Zusammen bringen sie sowohl die Geschichte des gesamten Gebietes, als die der Dörfer an die Oberfläche.

terpen

Die nord-niederländischen Lehmboden-Gebiete. Hier wurden ab 600 vor Christus unzählige Terpen und Wierden (Erdhügel) erbaut. Diese erhöhten Wohnhügel sind noch heute ein typisches Merkmal der nord-niederländischen Küstenlandschaft.

Die Geschichte des Terpen- und Wierdenlandes spielt sich in einem besonderen Umfeld ab: eine Jahrhundertealte Kulturlandschaft im Norden der Niederlande. Und die Hauptdarsteller? Das sind die Menschen aus dieser Region. Mit als wichtigsten Gegenspieler das Wattenmeer, womit die Terpen- und Wierdenlandschaft seit jeher stark verbunden war. Der rote Faden der sich durch die gesamte Geschichte zieht, ist die Beziehung zwischen Mensch und Meer. Das rücksichtslose Wasser gegenüber den tapferen und schlauen Küstenbewohnern. Eine faszinierende Hass-Liebe-Beziehung. Aber vor allem der Grund für das Aufschütten von ‘Erderhöhungen’ die heute – hunderte Jahre später– immer noch aus der Landschaft hervorragen. Und die uns noch so viel zu erzählen und zu bieten haben…

Keine traurige Geschichte

Die Geschichte fängt ungefähr 700 Jahre vor unserer Zeitzählung an, als die Salzwiesen an der Küste mittlerweile hoch genug waren um das Gebiet zu besiedeln. Vor allem die weitläufigen Weidenflächen, welche die die Salzwiesen darboten, waren ein Grund um sich in der Küstenregion niederzulassen. Der fruchtbare, salzige Lehmboden war außerdem sehr geeignet für landwirtschaftliche Zwecke. Dennoch überragt heutzutage das Bild einer verarmten Region. Ein Gebiet worin die Menschen völlig isoliert lebten und man sich bei Hochwasser auf den nächstgelegen Erdhügel flüchtete. Was aber nicht mit der Wirklichkeit übereinstimmt: Ein Image-Problem für die Region.

Gevonden muntHandel, Könige und Reichtum

Armut herrschte in den damaligen nördlichen Küstenregionen der Niederlande nämlich wohl kaum. Das beweisen die unzähligen Münzen und Schmuckstücke aus Gold-, Silber und Kupfer die in dem Gebiet entdeckt wurden. Diese Fundstücke deuten auf eine örtliche Elite. Menschen die nur al zu gerne damit prahlten, wie wichtig sie waren und wie gut es Ihnen ging. Die gefundenen Gegenstände weisen auch daraufhin, dass dieses Gebiet alles andere als isoliert war. Die Bewohner der nördlichen Lehmgründe pflegten bereits im frühen Mittelalter Handelsbeziehungen mit Skandinavien und England. Und die vielen römischen Funde zeigen uns, dass dieses Gebiet sogar in Internationalem Rahmen eine bedeutende Rolle spielte.

Das tägliche LebenStelterweg en Kerk

Natürlich wurden die Salzwiesen ab und zu überschwemmt. Aber es dauerte nicht lange, bevor die Einwohner damit anfingen diese naturbedingte Dynamik zu ihren eigenen Gunsten zu nutzen. Die gelegentlichen Überschwemmungen trugen nämlich fruchtbaren Schlick in das Gebiet, der das Land zu einem geeigneten Nährboden für verschiedene Pflanzen- und Getreidesorten machte. Die weitläufigen Grasgebiete wurden zum Heu-Anbau und als Weidegründe für das Vieh eingesetzt. Und das Meer brachte frischen Fisch und Schalentiere auf den Teller. Neue Forschungen haben ergeben, dass es im nordischen Küstengebiet eine große Diversität gab. So muss eine Wierde wie Godlinze in Groningen– die in der Nähe des Dollard-Übergangs zum Wattenmeer lag – ganz anders ausgesehen haben als zum Beispiel Firdgum und Wijnaldum, Erdhügel die viel weiter vom Süßwassereingang entfernt lagen.

Nach der Eindämmung

Im Herzen des Mittelalters, so um die 1200 N.Chr., wurden die ausgestreckten Salzwiesen Stück für Stück eingedämmt. Die meisten Deiche waren vermutlich schon angelegt, bevor sich Klosterorden in der Region ansiedelten. Also kann das Anlegen der Dämme nicht nur den Mönchen zugeschrieben werden. Die ersten Dammbauherren waren wahrscheinlich Bauern (möglicherweise unter Aufsicht des örtlichen Adelstandes), die ihre Kräfte bündelten und letztendlich entlang der heutigen Wattenmeer Küste ein durchgehendes Deichsystem konstruierten.
Nach dem Deichanbau veränderte sich vieles. In rasantem Tempo entstand eine Süßwasserlandschaft und streckten Dörfer und Bauernhöfe sich bald bis außerhalb der sicheren Erdhügel aus. Hier und da wuchsen Bäume. Es wurden größere Ackerareale errichtet. Auf dem leichteren Lehmboden verschwanden immer mehr Wiesenlandschaften, um Platz zu machen für Landbaugebiete. Auf den dichteren Lehmböden entstanden jede Menge imposanter Bauerhöfe, Landgüter und Schlösser (Borgen).

KaatsveldLebensqualität heute

Nicht nur das damalige Gebiet kämpft mit einem Image-Problem, auch das heutige Terpen- und Wierdenland leidet unter diesem Stigma. Viele Dörfer leiden unter schwindenden Einwohnerzahlen und einer relativ hohen Arbeitslosigkeit, sowie der damit verbundenen Reduzierung der öffentlichen Mittel. Entwicklungen die sich negativ auf die Lebensqualität in der Region auswirken. Aber traurig ist die Situation in den Dörfern keineswegs. Die meisten Dörfer haben einen großen sozialen Zusammenhang, eine sehr involvierte Bevölkerung und eine reiche Geschichte.

Das Ziel
Innerhalb des Projekts Terpen- und Wierdenland: eine Geschichte in Entwicklung, benutzen wir die Vergangenheit um der Gegenwärtigkeit Form zu verleihen. Wir möchten anhand der archäologischen und historischen Befunde Anpassungen vornehmen, die der Wohnqualität in den Dörfern zu Gute kommen und ihr öffentliches Image verbessern. Für die benötigten Forschungen arbeiten Wissenschaftler mit der Bevölkerung zusammen. Zuerst in den Groninger Wierden Dörfern Ulrum, Warffum und Godlinze. Auch das Museum Wierdenland in Ezinge spielt hierbei eine wichtige Rolle. In Friesland wird die Geschichte von Firdgum, Wijnaldum und Hallum unter die Lupe genommen.

Eine eigene Geschichte für jedes Dorf

Jede Wierde und Terp erzählt ihre eigene, einzigartige Geschichte. Diese Geschichten werden mit Hilfe von Bewohnern und Wissenschaftlern sorgfältig aufgezeichnet. Hier können Sie lesen, welche Geschichten die folgenden Dörfer zu erzählen haben:

 

Literatur
Es gibt eine riesige Menge an Aufzeichnungen über die Besiedlung des Terpen- und Wierden Gebietes. Klicken Sie hier für eine Auswahl der Publikationen die einen guten Überblick geben oder ein bestimmtes Thema erläutern. Die meisten Veröffentlichungen sind ziemlich leicht zu finden und in jeder gut ausgerüsteten Bibliothek erhältlich.

 

 

 


 

  • Terpen und Wierdenland, eine Geschichte in Entwicklung.